Arbeitnehmer-Umfrage im Dezember 2011
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Zentrale Ergebnisse des IW Arbeitnehmer-Votums zum INSM-WiWo-Deutschland-Check Dezember 2011
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Über das Arbeitnehmer-Votum im Rahmen des INSM-WiWo-Deutschland-Checks
Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2011 sehr erfreulich entwickelt. Die Anzahl der Arbeitslosen liegt bei deutlich unter drei Millionen, und die Anzahl der Erwerbstätigen war seit der Wiedervereinigung noch nie so hoch wie im Moment. Wie schätzen die Arbeitnehmer die Situation ein? Wo liegen ihrer Ansicht nach Risiken und wie hat sich die Arbeitsplatzsicherheit entwickelt? Was unternehmen Beschäftigte, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben? Zu diesen Fragen wurden Ende November 2011 insgesamt 1.000 Arbeitnehmer befragt.
Die zentralen Ergebnisse lauten wie folgt:
- Die Mehrheit der Arbeitnehmer erwartet eine gleichbleibende Lage auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2012: Über 50 Prozent sind dieser Ansicht. 19 Prozent der Beschäftigten vermuten sogar, dass sich der Arbeitsmarkt im kommenden Jahr positiv entwickeln wird. Insbesondere die jüngeren Arbeitnehmer sind optimistisch hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Andererseits gehen 28 Prozent der Arbeitnehmer davon aus, dass es 2012 zu einer Verschlechterung kommen wird.
- Die meisten Arbeitnehmer schätzen ihren Arbeitsplatz als sicher ein: 57 Prozent der Beschäftigten glauben, dass ihr Arbeitsplatz außerordentlich oder ziemlich sicher ist, und weitere 25 Prozent stufen ihr Beschäftigungsverhältnis immerhin noch als eher sicher ein. Lediglich 18 Prozent der Beschäftigten schätzen ihren Arbeitsplatz als unsicher ein.
- Trotz der Verschärfung der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum ist die gefühlte Arbeitsplatzsicherheit in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten nicht gesunken: Für 56 Prozent der Arbeitnehmer ist die Sicherheit ihres Beschäftigungsverhältnisses gleich geblieben und für 29 Prozent ist die Sicherheit sogar gestiegen. Lediglich 15 Prozent haben eine Verschlechterung ihrer Arbeitsplatzsicherheit zu verzeichnen.
- Trotz der guten Lage des Arbeitsmarkts lässt sich die Frage aufwerfen, welche Faktoren eine mögliche Gefährdung darstellen. Besonders bedeutend sind nach Ansicht der Beschäftigten die Staatsschuldenkrise (79 Prozent sehen diese als Risikofaktor an) und die generelle Lage der Wirtschaft (76 Prozent). Faktoren wie beispielsweise die internationale Konkurrenz und der Fachkräftemangel sind aus Sicht der Arbeitnehmerschaft weniger akut – werden aber trotzdem noch von mehr als jedem zweiten Arbeitnehmer als Gefährdung eingestuft.
- Um die eigene Attraktivität für den Arbeitsmarkt sicherzustellen, setzen Beschäftigte insbesondere auf die Gewährleistung der eigenen Mobilität und die Akzeptanz flexibler Beschäftigungsmodelle (78 bzw. 74 Prozent). Die Mehrzahl der Arbeitnehmer setzt auch auf Kontaktpflege sowie betriebliche und private Weiterbildung (jeweils über 50 Prozent). Eher unbedeutend ist für die Beschäftigten hingegen das Sammeln von Auslandserfahrung – weniger als jeder vierte setzt auf diese Möglichkeit, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben.
Hintergrund der Befragung
Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2011 sehr erfreulich entwickelt. Die Anzahl der Arbeitslosen liegt bei deutlich unter drei Millionen und die Anzahl der Erwerbstätigen war seit der Wiedervereinigung noch nie so hoch wie momentan. Die Lage ist demnach gut – aber wie schätzen die Arbeitnehmer die Situation ein? Wo liegen ihrer Ansicht nach Risiken und wie hat sich die Arbeitsplatzsicherheit entwickelt? Was unternehmen Beschäftigte, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben? Vor dem Hintergrund dieser Fragen dient das vorliegende IW-Arbeitnehmervotum dazu, einen Überblick über die Einschätzung von Beschäftigten zu Chancen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt zu geben.
Die Fragen im Einzelnen
Für das IW-Arbeitnehmervotum wurden vom 23. bis zum 28. November 2011 insgesamt 1.000 Arbeitnehmer befragt. Die Stichprobe wurde hinsichtlich soziodemographischer Merkmale entsprechend der Verteilung in Deutschland geschichtet (siehe Tabellen-Anhang). Im Einzelnen wurden die folgenden Fragen gestellt:
- Was glauben Sie: Wie wird sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2012 entwickeln?
- Für wie sicher halten Sie zurzeit den Bestand Ihres Arbeitsplatzes?
- Wenn Sie an den November des letzten Jahres denken: Wie hat sich die Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes seitdem entwickelt?
- Glauben Sie, dass folgende Faktoren die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt gefährden?
- 1. Staatsschuldenkrise
- 2. Generelle Lage der Wirtschaft
- 3. Politische Reformen auf dem Arbeitsmarkt
- 4. Technische Rationalisierungsmaßnahmen der Unternehmen
- 5. Internationale Konkurrenz
- 6. Fachkräftemangel
- 7. Hohe Lohnnebenkosten
- Ergreifen Sie selbst folgende Maßnahmen, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben?
- 1. Betriebliche Weiterbildung
- 2. Private Weiterbildung
- 3. Pflege von Kontakten
- 4. Sammeln von Auslandserfahrung
- 5. Sicherstellung der eigenen Mobilität
- 6. Akzeptanz flexibler Beschäftigungsmodelle
Die Ergebnisse im Detail
Beschäftigte erwarten überwiegend Konstanz am Arbeitsmarkt – jüngere Beschäftigte sind eher optimistisch
Die Mehrheit der Arbeitnehmer erwartet eine gleichbleibende Lage auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2012: über 50 Prozent sind dieser Ansicht. 19 Prozent der Beschäftigten vermuten sogar, dass sich der Arbeitsmarkt im kommenden Jahr positiv entwickeln wird. Andererseits gehen 28 Prozent der Arbeitnehmer davon aus, dass es 2012 zu einer Verschlechterung kommen wird. Der Anteil der negativen Erwartungen liegt demnach über dem der positiven – im Saldo ergibt sich ein Überhang der negativen Einschätzungen von neun Prozentpunkten.

Bei der Einschätzung der Entwicklung im Jahr 2012 unterscheiden sich Beschäftigte aus verschiedenen Bildungsschichten nicht wesentlich voneinander (siehe Tabellen-Anhang). Arbeitnehmer mit Hauptschulabschluss sind allerdings etwas optimistischer als Arbeitnehmer mit Realschulabschluss oder Abitur.
Darüber hinaus nimmt der Anteil der Arbeitnehmer, die von einer positiven Entwicklung ausgehen, mit dem Alter kontinuierlich ab:
- Bei den 16- bis 24-Jährigen liegt der Anteil bei 36 Prozent,
- bei den 25- bis 34-Jährigen bei 22 Prozent,
- bei den 35- bis 49-Jährigen bei 17 Prozent und
- bei den 50- bis 65-Jährigen bei 12 Prozent.
Insbesondere die jüngeren Arbeitnehmer schätzen die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt demnach optimistisch ein. Allerdings ist der Anteil derjenigen, die von einer negativen Entwicklung ausgehen, in keiner Altersgruppe vernachlässigbar: Bei den 16- bis 24-Jährigen vermutet immerhin noch jeder fünfte Beschäftigte, dass es 2012 zu einer Abschwächung kommen wird. Dennoch ist die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen die einzige, bei der die positiven Einschätzungen im Saldo überwiegen, mit 15 Prozentpunkten Überschuss über die negativen Einschätzungen.
Arbeitsplätze in Deutschland gelten überwiegend als sicher
Die meisten Arbeitnehmer schätzen ihren Arbeitsplatz als sicher ein:
- 57 Prozent der Beschäftigten glauben, dass ihr Arbeitsplatz außerordentlich oder ziemlich sicher ist, und weitere 25 Prozent schätzen ihr Beschäftigungsverhältnis immerhin noch als eher sicher ein,
- während lediglich 18 Prozent der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz als eher, ziemlich oder außerordentlich unsicher einstufen.

Die Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit unterscheidet sich zwischen den Beschäftigten mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen: Je höher der Abschluss, desto größer ist die empfundene Sicherheit (siehe Tabellen-Anhang). So liegt der Anteil derjenigen, die ihren Arbeitsplatz als sicher einschätzen,
- bei Arbeitnehmern mit Hauptschulabschluss bei 78 Prozent,
- bei denjenigen mit Realschulabschluss bei 80 Prozent und
- bei Arbeitnehmern mit Abitur bei 87 Prozent.
Keine Verschlechterung der Sicherheit von Arbeitsplätzen im Jahr 2011
Trotz der Verschärfung der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum ist die Arbeitsplatzsicherheit in Deutschland nach Meinung der Beschäftigten seit November 2010 nicht gesunken:
- Für 56 Prozent der Arbeitnehmer ist die Sicherheit ihres Beschäftigungsverhältnisses gleich geblieben und
- für 29 Prozent ist die Sicherheit sogar gestiegen,
- während lediglich 15 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten eine Verschlechterung ihrer Arbeitsplatzsicherheit zu verzeichnen haben.

Der oben erwähnte Optimismus jüngerer Arbeitnehmer bei der Einschätzung der weiteren Entwicklung des Arbeitsmarkts spiegelt sich in der vergangenen Entwicklung der Arbeitsplatzsicherheit wider – denn für jüngere Arbeitnehmer hat sich die Sicherheit besonders positiv entwickelt (siehe Tabellen-Anhang):
- Für 46 Prozent der 16- bis 24-Jährigen ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes gestiegen,
- während dies bei den 25- bis 34-Jährigen für 33 Prozent gilt,
- bei den 35- bis 49-Jährigen für 30 Prozent und
- bei den 50- bis 65-Jährigen für 18 Prozent.
Risiken für den Arbeitsmarkt – Staatsschuldenkrise dominiert
Trotz der guten Lage des Arbeitsmarkts lässt sich die Frage aufwerfen, welche Faktoren eine mögliche Gefährdung darstellen. Besonders bedeutend sind nach Ansicht der Beschäftigten
- die Staatsschuldenkrise (79 Prozent sehen diese als Risikofaktor an) und
- die generelle Lage der Wirtschaft (76 Prozent).
Eher weniger bedeutend sind
- die internationale Konkurrenz (57 Prozent) und
- der Fachkräftemangel (53 Prozent).
Zu bedenken ist dabei, dass auch die zwei letztgenannten Faktoren noch von mehr als der Hälfte der Arbeitnehmer als Gefährdung genannt werden. Diese Faktoren können demnach zwar in Relation zu den anderen Faktoren als weniger akut aufgefasst werden – als unbedeutend können sie jedoch nicht angesehen werden.
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Beschäftigte sichern eigene Chancen auf dem Arbeitsmarkt vor allem durch Mobilität und Flexibilität
Während die oben genannten Risikofaktoren durch Arbeitnehmer nur schwer zu beeinflussen sind, liegt es in ihrer Hand, selbst für potenzielle Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Um dies zu erreichen, setzen Beschäftigte insbesondere auf
- die Gewährleistung der eigenen Mobilität (78 Prozent geben dies an) und
- die Akzeptanz flexibler Beschäftigungsmodelle (74 Prozent).
Die Mehrzahl der Arbeitnehmer setzt auch auf Kontaktpflege sowie betriebliche und private Weiterbildung (jeweils über 50 Prozent). Eher unbedeutend ist für die Beschäftigten hingegen das Sammeln von Auslandserfahrung – weniger als jeder vierte setzt auf diese Möglichkeit, um die eigene Attraktivität für den Arbeitsmarkt sicherzustellen.
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Bei der Sicherstellung der eigenen Attraktivität bestehen Unterschiede zwischen den soziodemographischen Gruppen (siehe Tabellen-Anhang):
- Bei den meisten Maßnahmen steigt die Nutzung tendenziell mit dem Bildungsabschluss. Je höher die Schulbildung, desto eher wird demnach auf die eigene Attraktivität geachtet.
- Dies gilt ebenso für die Altersgruppen: Je jünger die Beschäftigten sind, desto eher ergreifen sie Maßnahmen zur Attraktivitätssicherung. Aufgrund des längeren Amortisationszeitraums ist dies intuitiv nachvollziehbar.
Über das Arbeitnehmer-Votum im Rahmen des INSM-WiWo-Deutschland-Checks
Das IW-Arbeitnehmervotum befragt vier Mal im Jahr 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland zu aktuellen politischen Vorgängen. Konzipiert wird die Kurzbefragung von der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Online-Befragung wird in Zusammenarbeit mit goals international durchgeführt.
Die Befragung für das vorliegende Votum wurde vom 19. bis zum 23. August 2011 durchgeführt. Die Stichprobe der Arbeitnehmer zwischen 16 und 65 Jahren wurde repräsentativ für Deutschland nach Schulbildung, Geschlecht und Altersgruppen geschichtet. Nicht berücksichtigt wurden Arbeitnehmer ohne Schulbildung.
Tabellenanhang
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