Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im Dezember 2011: Gedämpfter Optimismus

Im November hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wieder sein Jahresgutachten vorgelegt. In seiner Konjunkturprognose erwartet er nach einem kräftigen Wirtschaftswachstum von 3 Prozentin diesem Jahr eine deutliche Abkühlung. Im Jahresdurchschnitt 2012 soll das reale Bruttoinlandsprodukt nur noch um magere 0,9 Prozent steigen. Wachstumsimpulse kommen anders als in den Vorjahren nur noch aus dem Inland, insbesondere vom privaten Konsum und den Investitionen, während der Außenbeitrag (Exporte abzüglich Importe) die Wachstumsrate sogar um 0,3 Prozentpunkte drückt.

Als größtes Risiko für die Konjunktur sieht der Sachverständigenrat die Unsicherheiten in Zusammenhang mit der immer noch ungelösten Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone. Wegen der großen Unwägbarkeiten hat der Rat deshalb drei Szenarien durchgerechnet und dabei auch ein rezessive Entwicklung in 2012 nicht ausgeschlossen: Sollte die Euro-Schuldenkrise eskalieren und andere Regionen infizieren, könnte dies zu einer Stagnation des Welthandels führen; das reale Bruttoinlandsprodukt würde dann im Jahr 2012 sogar um 0,5 Prozent sinken.

Die Unternehmen sehen skeptischer, aber nicht pessimistisch in die Zukunft. Dies hat die Herbstumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln unter 2.600 Unternehmen aus West- und Ostdeutschland ergeben. Die Unternehmen, die bei Exporten, Produktion, Investitionen und Beschäftigung einen Anstieg in 2012 erwarten, sind gegenüber den Unternehmen, die von einem Rückgang ausgehen, in der Überzahl. Besonders erfreulich ist, dass 24,6 Prozent der Unternehmen ihren Personalbestand weiter aufstocken, aber nur 15 Prozent Personal reduzieren wollen. Überwiegend wollen die Unternehmen ihre Beschäftigung auf dem erreichten Niveau halten. Es spricht somit einiges dafür, dass der Arbeitsmarkt auch im Jahr 2012 mit positiven Nachrichten aufwarten kann. In der Rangliste der Risikofaktoren für die weitere konjunkturelle Entwicklung sehen die Unternehmen eine Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen an vorderster Stelle, gefolgt vor einer Konsumzurückhaltung. Finanzierungskosten und Probleme bei der Kreditvergabe stufen die Unternehmen genauso wenig als gravierende Risiken ein wie eine nachlassende Nachfrage aus den aufstrebenden Ländern.

Die Chancen stehen somit nicht schlecht, dass der Aufwärtsentwicklung die Luft nicht ausgeht. Allerdings muss die Politik ihre Hausaufgaben schnell und überzeugend machen, damit die Unsicherheiten nicht überhand nehmen.

INSM-WiWo-Deutschland-Check Dezember 2011 – die Ergebnisse im Einzelnen:

Beim Arbeitsmarktindex ist die Welt nach der leichten Irritation im Oktober wieder in Ordnung. Beide Teilindikatoren weisen im November  mit einem Plus gegenüber dem Vormonat auf:

  • Nachdem im Oktober die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt erstmals nach 20 Monaten überraschend angestiegen war, ist sie im November wieder kräftig um 20.000 auf 2,913 Millionen Personen gesunken. Offensichtlich und erfreulicherweise hat der Oktober nicht die befürchtete Wende am Arbeitsmarkt eingeläutet.

  • Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ist im November saisonbereinigt sogar wieder beschleunigt angestiegen. Mit einem Plus von 11.000 sind die offenen Stellen  so schnell gestiegen wie zuletzt im April dieses Jahres. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften ist also ungebrochen lebhaft.

  • Getrieben von beiden Teilindikatoren legte der Arbeitsmarktindex im November um 1,5 Prozent zu – mehr als doppelt so schnell wie im Vormonat (+0,7 Prozent).

  • Damit bleibt der Arbeitsmarktindex auch im November klar im Vollbeschäftigungs-Trichter. In den letzten Monaten bewegte er sich zwar innerhalb des Korridors, näherte sich aber von Monat zu Monat dem unteren Trichterrand. Im November konnte sich der Arbeitsmarktindex erfreulicherweise wieder etwas in Richtung Trichter-Mitte vorarbeiten.   

Der Wachstumsindex bleibt auch im November das Sorgenkind. Keiner der drei Teilindikatoren konnte dem Wachstumsindex Schubkraft verleihen:

  • Der DAX-Performance-Index verlor im Laufe den November 52 Punkte oder 0,9 Prozent, blieb aber mit 6089 Punkten über der 6.000er-Schwelle. Das es noch so glimpflich ausging, liegt an dem beachtlichen Endspurt zum Monatsende, als der DAX am Schlusstag noch einmal um 5 Prozent nach oben schnellte. Grund war die koordinierte Ankündigung der wichtigsten Notenbanken der Welt, den Finanzmärkten mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um die Spannungen am Interbankenmarkt zu lösen.  

  • Der Ifo-Lage-Index stagnierte im November auf hohem Niveau. Mit 116,7 Punkten erreichte er exakt den Wert des Vormonats. Dies ist eine positive Überraschung, da die Unternehmen zuvor vier Monate in Folge eine Eintrübung der Geschäftslage im Vormonatsvergleich gemeldet hatten. Insgesamt befindet sich die Geschäftslage aber nach wie vor auf einem guten Niveau. Gleichwohl bietet auch der November ein uneinheitliches Bild: Die Unternehmen des  exportorientierten Verarbeitende Gewerbes meldeten in der Mehrzahl eine Verschlechterung der Geschäftslage, ebenso der Großhandel. Im Einzelhandel und im Baugewerbe hingegen hat sich die Lagebeurteilung im November hingegen verbessert.

  • Entgegen den Erwartungen konnte die Industrieproduktion im Oktober gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,8 Prozent zulegen. Schrittmacher dieser positiven Entwicklung war die Investitionsgüterindustrie, die ihre Produktion um beachtliche 2,2 Prozent steigern konnte. Die beiden anderen großen Bereiche verringerten ihre Produktionsaktivitäten (Vorleistungsgüterindustrie) oder hielten sie konstant auf dem Vormonatsniveau (Konsumgüterindustrie). Die schwache Entwicklung der industriellen Auftragseingänge in den letzten Monaten spricht für einen moderaten Rückgang der Produktion im November, trotz der wieder positiven Entwicklung der Auftragseingänge im Oktober (+5,2 Prozent). Diese überraschend starke Aufwärtsentwicklung lässt für die zukünftige Produktionsentwicklung hoffen.

  • Insgesamt verliert der Wachstumsindex im November 0,6 Prozent. Am aktuellen Rand zeigt er somit derzeit keine eindeutige Tendenz.

INSM-WiWo-Deutschland-Check: IW-Index

Zu den fünf Einzelindikatoren: Gegenüber dem Vormonat zeigt sich ein im Wesentlichen unverändertes Bild. Die beiden Arbeitsmarktindikatoren – Arbeitslose und offene Stellen – konnten sich weiter im positiven Sinne vom Vorkrisenniveau absetzen. Auch der Ifo-Lage-Index bleibt leicht über dem Referenz-Schwellenwert von 100. Den beiden anderen Teilindikatoren des Wachstumsindex strecken sich weiterhin zu Decke, ohne sie bislang zu erreichen. Vom aktuellen Niveau muss die Industrieproduktion noch um 2,5 Prozent wachsen, um die 100-Prozent-Schwelle zu erreichen, beim DAX-Performance-Index sind es noch 10,2 Prozent. 

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