Arbeitsmarkt- und Wachstumsindex im Januar 2012: Unterschiedliche Signale und Einschätzungen

Einige Konjunkturprognostiker nehmen das Wort „Rezession“ in den Mund, um die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zu beschreiben. Sie gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft, im vierten Quartal 2011 und auch im ersten Quartal des neuen Jahres. Erst danach soll sie wieder langsam Fahrt aufnehmen.

Mehr als rund ein halbes Prozent Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahresdurchschnitt 2012 wären dann kaum drin. Und dann gibt es da noch den Kassandraruf von Frau Christine Lagarde, der Direktorin des Internationalen Währungsfonds, die ein Abrutschen der Weltwirtschaft in eine große Depression ähnlich der aus den 1930er Jahren für möglich hält, wenn die Politik nicht entschlossen gegensteuert.

Wenn auch nicht euphorisch, aber doch deutlich besser beurteilen die Verbände der deutschen Wirtschaft die Aussichten ihrer Unternehmen für das Jahr 2012, wie die traditionelle Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln aus dem Dezember letzten Jahres ergab. 

Immerhin 26 der vom Institut befragten 46 Verbände gehen davon aus, dass die reale Produktion oder der preisbereinigte Umsatz im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr ansteigen wird – unter ihnen auch die großen exportstarken Branchen wie die Chemische Industrie, der Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilindustrie und die Elektrotechnik. Auch die Bauwirtschaft sieht sich 2012 weiter im Aufwärtstrend. Von etwas niedrigeren Ergebnissen als in 2011 gehen 11 Branchen aus, unter anderem die Eisen- und Stahlindustrie, die Finanzwirtschaft und der Immobiliensektor. Allerdings gibt es keine Branche, die von wesentlich niedrigen Geschäftsergebnissen ausgeht, also einen Einbruch erwartet.

Welchen Weg die Wirtschaft in Deutschland im Jahr 2012 tatsächlich nimmt, hängt maßgeblich von den Entwicklungen auf den Finanzmärkten ab. Eine Kreditklemme könnte die moderaten Wachstumserwartungen schnell trüben oder gar zunichtemachen. Noch signalisieren die Umfragen an dieser Front keine Gefahren, aber Wachsamkeit ist geboten.

Klare Signale der Politik, dass die Staatsschuldenkrisen in der Euro-Zone nachhaltig gelöst werden, wären ein willkommener Konjunkturbeschleuniger in der aktuell labilen Lage.

Der Arbeitsmarktindex setzte im Dezember 2011, von beiden Teilindikatoren getrieben, seinen Erfolgskurs fort:

  • Kalender- und saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember 2011 sogar kräftig um 22.000 Personen zurückgegangen und lag insgesamt mit 2,88 Millionen deutlich unter der 3-Millionen-Marke. Auch im Durchschnitt des Jahres 2011 unterschritt die Zahl der Arbeitslosen mit 2,95 Millionen diese psychologisch wichtige Marke.
  • Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen erhöhte sich im Dezember 2011 saisonbereinigt um 5.000 und übersprang damit erstmals die Marke von 500.000 (503 Tausend). Dies ist ein sehr gutes Zeichen, denn es signalisiert eine anhaltend lebhafte Nachfrage der deutschen Unternehmen nach Arbeitskräften.
  • Insgesamt konnte sich der Arbeitsmarktindex im Dezember 2011 auf einen Wert von 173,3 (September 2005 = 100) verbessern, was einem Anstieg um 0,9 Prozent bedeutet.
  • Der Arbeitsmarktindex hält somit auch im Dezember 2012 Kurs und bleibt sicher im Vollbeschäftigungs-Trichter.
  • Auch für das Gesamtjahr 2012 stehen die Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt nicht schlecht. Dies zumindest zeigt die Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW): 31 Branchen erwarten, dass die Beschäftigung in ihrem Wirtschaftszweig im Großen und Ganzen unverändert bleibt, 7 Branchen gehen von rückläufigen Beschäftigungszahlen aus, aber 8 von steigenden, darunter interessanterweise auch Teilbereiche der Finanzwirtschaft (Banken, Sparkassen und Versicherungswirtschaft). 

Der Wachstumsindex liefert ein stückweit das Kontrastprogramm zum Arbeitsmarktindex.  Keiner der drei Teilindikatoren sorgte im Dezember 2012 für einen Aufwärtstrend:

  • Der DAX-Performance-Index verlor im Dezember 2011 190 Punkte und konnte so die 6.000er Marke nicht ins neue Jahr retten (5.898 Punkte am Schlusstag des alten Jahres). Es kommt nicht häufig vor, dass der DAX im Dezember rückläufig ist – zuletzt passierte dies in den Jahren 2002 und 1998. In aller Regel kann der DAX-Performance-Index im Schlussmonat eines Jahres nochmals Gewinne verzeichnen.
  • Der Ifo-Lage-Index blieb im dritten Monat in Folge auf dem Niveau von 116,7 und zeigt somit keine erkennbare Tendenz in die eine oder andere Richtung  (Seitwärtsbewegung). Einer leichten Eintrübung der Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe stehen Verbesserungen im Groß- und Einzelhandel sowie dem Bauhauptgewerbe gegenüber. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich zwei Monate infolge sogar wieder verbessert. Dies könnte auch zu einer weiteren Stabilisierung der Geschäftslage beitragen.
  • Auch die Industrieproduktion konnte dem Wachstumsindex zuletzt keine positiven Impulse geben. Im Gegenteil: Im November ging die Industrieproduktion um 1,3 Prozent zurück. Alle drei Hauptgruppen – Vorleistungsgüter, Investitionsgüter,  Konsumgüter – verzeichneten ein Minus. Diese Negativ-Entwicklung dürfte sich im Dezember 2011 mit etwa demselben Tempo fortgesetzt haben.
  • Insgesamt verlor der Wachstumsindex damit im Dezember 2011 2,1 Punkte oder 1,8Prozent. Zum zweiten Mal in Folge verliert er an Boden, wenn auch nicht gravierend. 
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INSM-WiWo-Deutschland-Check Januar 2012: IW-Index

INSM-WiWo-Deutschland-Check Januar 2012: IW-Index

Zu den fünf Einzelindikatoren: Die Story wiederholt sich. Die Arbeitsmarktindikatoren liegen weit im positiven Bereich, gemessen am Vorkrisenniveau. Die Wachstumsindikatoren tuen sich weiter schwer, dem guten Beispiel der Arbeitsmarkindikatoren zu folgen. Nach wie vor gelingt es der Industrieproduktion und dem DAX nicht, die 100-Prozent-Hürde zu nehmen.

Bei der Industrieproduktion bedarf es dazu eines Zuwachses von 4,2 Prozent, beim DAXPerformance-Index von 13,8 Prozent. In einem Monat ist das kaum zu schaffen.


Ein Jahresrückblick 2011

Das Jahr 2011 liegt nun vollständig vor, so dass abschließend ein Blick auf die Entwicklung der fünf Teilindikatoren über das gesamte Jahr geworfen werden soll.

Für die deutsche Volkswirtschaft war 2011 insgesamt ein sehr erfolgreiches Jahr. Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg voraussichtlich um rund 3 Prozent. Es war das zweite Jahr der Aufholung nach dem tiefen Einbruch im Krisenjahr 2009, wo die reale Wirtschaftsleistung um 5,1 Prozent eingebrochen war. Schon im 1. Quartal dieses Jahres wurde der Vor-Krisen-Höchststand fast erreicht, im 2. Quartal dann endgültig überschritten. Der Aufholprozess verlief damit deutlich schneller als nach Ende der Krise von den meisten Konjunkturexperten erwartet wurde.

In den Einzelindikatoren des D-Checks drückt sich dies wie folgt aus (siehe Grafik):INSM-WiWo-Deutschland-Check Januar 2012: IW-Index, Jahresrückblick

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Der Arbeitsmarktindex legte im 12-Monats-Zeitraum um 15,1 Prozent zu. Treibende Kraft waren vor allem die gemeldeten offenen Stellen mit einem Plus von 22,4 Prozent (+ 92.000) im Jahresverlauf (Dezember 2011 gegenüber Dezember 2010).

Aber auch die Zahl der Arbeitslosen ging deutlich um 7,6 Prozent zurück (-238.000).

Der Wachstumsindex verlor im Jahresverlauf 7,1 Prozent an Wert. Nur die Industrieproduktion konnte mit +2,7 Prozent etwas Boden gut machen, schwächelt allerdings in den letzten Monaten. Der Ifo-Lage-Index lag im Dezember 2011 um 1,5 Prozent, der DAX-Performance-Index sogar um stolze 14,7 Prozent unter Vorjahresniveau.

 

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