Umfrage: Unternehmensmeinungen über die Beschäftigung 50plus

Die Bevölkerung Deutschlands wird älter – und daher steigt auch der Anteil älterer Erwerbspersonen. Die meisten Unternehmen werden auf diese Entwicklung im Rahmen ihrer Personalpolitik reagieren müssen, indem sie sich stärker am Lebenszyklus ihrer Beschäftigten orientieren. Inwieweit dies gelingen kann, hängt unter anderem von den Rahmenbedingungen ab, wie wesentlich durch die Wirtschafts- und Sozialpolitik geprägt werden. 

Vor diesem Hintergrund gibt das vorliegende IW-Unternehmervotum einen Überblick über die Meinung von Entscheidern der deutschen Wirtschaft zu ausgewählten Aspekten der Beschäftigung von Arbeitnehmern ab 50 Jahren. Hierzu wurden 755 Unternehmensvertreter im Oktober 2011 befragt. Die Angaben wurden für Unternehmen der Industrie und der industrienahen Dienstleistungen in Deutschland hochgerechnet.

Die wesentlichen Ergebnisse lauten wie folgt:

  • In mehr als jedem zweiten Unternehmen wird das Thema „Beschäftigung älterer Arbeitnehmer“ gezielt im Rahmen der Personalpolitik behandelt. Dabei gilt: je größer ein Unternehmen, desto eher widmet es sich diesem Thema.
  • Knapp die Hälfte der Unternehmen geht davon aus, dass die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in den nächsten fünf Jahren zu einem wichtigeren Thema wird. Nur vier Prozent der Unternehmen vermuten, dass die Bedeutung des Themas abnehmen wird. Insbesondere für industrienahe Dienstleister wird die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer relevanter.
  • Aus Sicht der Unternehmen sind ältere Arbeitnehmer nicht weniger leistungsfähig als jüngere. Stattdessen vertreten 83 Prozent der Unternehmen die Ansicht, dass ältere und jüngere Beschäftigte unterschiedliche Stärken aufweisen, sodass ihre Leistungsfähigkeit nur eingeschränkt verglichen werden kann. Dies stützt die Wichtigkeit altersgemischter Belegschaften und Teams, in denen die Stärken der Mitarbeiter einander ergänzen können.
  • Rund jedes vierte Unternehmen hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr ältere Arbeitnehmer eingestellt als zuvor. Drei von vier Unternehmen haben ihr Einstellungsverhalten nicht geändert.
  • Ein wesentlicher Grund, der Unternehmen von der verstärkten Einstellung älterer Arbeitnehmer abhält, ist das Angebot an Arbeitskräften: Jedes zweite Unternehmen gibt an, dass es nur wenige Bewerbungen von älteren Arbeitsuchenden erhält. Nur wenig unbedeutender ist das Hemmnis, dass die Lohnvorstellungen älterer Arbeitnehmer für die ausgeschriebenen Positionen zu hoch sind. Auch die Schwierigkeit, dass Flexibilität bei einer möglicherweise in Zukunft notwendigen Verkleinerung der Belegschaftsgröße verloren gehen kann, hält mehr als jedes dritte Unternehmen davon ab, (mehr) ältere Arbeitnehmer einzustellen. Insbesondere in größeren Unternehmen wird die geringere Flexibilität bei der Anpassung der Belegschaftsgröße als Hemmnis der Einstellung älterer Beschäftigter angesehen.

Der Hintergrund der Befragung

Der demografische Wandel wird schon seit einiger Zeit als wichtiger Einflussfaktor der Personalpolitik von Unternehmen thematisiert. Insbesondere die sich ändernde Altersstruktur der Bevölkerung Deutschlands wird als bedeutsam angesehen: Viele Unternehmen werden auf den steigenden Anteil älterer Erwerbspersonen mit einer stärker lebenszyklusorientierten Personalpolitik reagieren müssen, soweit dies nicht bereits geschehen ist. Daraus ergeben sich auch neue Anforderungen an die Wirtschafts- und Sozialpolitik, die die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und Arbeitnehmer durch entsprechende institutionelle Rahmenbedingungen fördern oder hemmen kann.

Vor diesem Hintergrund dient das vorliegende IW-Unternehmervotum dazu, einen Überblick über die Meinung von Entscheidern der deutschen Wirtschaft zu ausgewählten Aspekten der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zu geben. Mit „älteren Arbeitnehmern“ sind dabei Personen ab 50 Jahren gemeint.

INSM-WiWo-Deutschland-Check - Zusammenfassung

Für das vorliegende IW-Unternehmervotum wurden im Oktober 2011 insgesamt 755 Vertreter von Unternehmen aus Deutschland befragt. Im Einzelnen wurden die folgenden Fragen gestellt:

  • „Befasst sich Ihr Unternehmen derzeit im Rahmen seiner Personalpolitik mit dem Thema ‚Beschäftigung älterer Arbeitnehmer‘?“
  • „Wie wird sich die Bedeutung des Themas ‚Beschäftigung älterer Arbeitnehmer‘ für Ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren entwickeln?“
  • „Wie leistungsfähig sind ältere Arbeitnehmer Ihrer Ansicht nach im Vergleich zu jüngeren Arbeitnehmern?“
  • „Hat Ihr Unternehmen in den letzten zwölf Monaten mehr ältere Arbeitnehmer eingestellt als früher?“
  • „Halten folgende Gründe Ihr Unternehmen davon ab, (mehr) ältere Arbeitnehmer einzustellen?“
  • „Die Lohnvorstellungen älterer Bewerber sind für die ausgeschriebenen Positionen zu hoch.“
  • „Die Arbeitskosten für ältere Arbeitnehmer sind zu hoch.“
  • „Gegebenenfalls erforderliche Verkleinerungen der Belegschaft werden schwieriger.“
  • „Die Restbeschäftigungsdauer ist zu kurz, sodass sich Einarbeitungs-, Weiterbildungs- und Entwicklungsmaßnahmen für Ältere nicht lohnen.“
  • „Älteren Bewerbern fehlt es am erforderlichen Fachwissen.“
  • „Ältere Arbeitnehmer passen nicht in unsere betriebliche Altersstruktur.“
  • „Wir erhalten nur wenige Bewerbungen von Älteren.“

Darüber hinaus hatten die Teilnehmer am Ende der Befragung die Möglichkeit, generelle Anmerkungen zum Thema zu machen.

Auf Basis der Fragen und Anmerkungen lässt sich – dem Ziel des IW-Unternehmervotums entsprechend – ein Stimmungsbild erheben, ohne die Befragten zeitlich zu stark zu beanspruchen. Eine tiefergehende Beschäftigung mit den angesprochenen Aspekten erfordert naturgemäß eine differenzierte Betrachtung, bei der auch Merkmale der individuellen Unternehmenssituationen zu beachten wären.

INSM-WiWo-Deutschland-Check - Ergebnisse des Unternehmervotums im Detail

Beschäftigung 50 plus ist Thema in vielen Unternehmen – insbesondere in größeren

In knapp 54 Prozent der Unternehmen wird das Thema „Beschäftigung älterer Arbeitnehmer“ gezielt im Rahmen der Personalpolitik behandelt (Tabelle 1). In dieser Hinsicht unterscheiden sich Industrieunternehmen nicht von industrienahen Dienstleistern. Ein klarer Unterschied besteht allerdings zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe: Je höher der Umsatz, desto eher befasst sich ein Unternehmen im Rahmen seiner Personalpolitik mit der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer. So liegt der Anteil

  • bei Unternehmen mit einem Umsatz von unter einer Million Euro bei 53 Prozent,
  • bei Unternehmen mit einer Million bis unter 50 Millionen Euro Umsatz bei 61 Prozent und
  • bei Unternehmen ab 50 Millionen Euro Umsatz bei 77 Prozent.
 
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INSM-WiWo-Deutschland-Check November 2011

Gezielte Auseinandersetzung mit Beschäftigung 50 plus wird wichtiger

Knapp 46 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in den nächsten fünf Jahren für sie zu einem wichtigeren Thema wird. Weitere 47 Prozent der Unternehmen prognostizieren eine ungefähr gleich bleibende Bedeutung – und lediglich vier Prozent der Unternehmen vermuten, dass die Bedeutung des Themas abnehmen wird.

Insbesondere für Dienstleister wird die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer relevanter. Dies äußert sich unter anderem darin,

  • dass bei den industrienahen Dienstleistern lediglich drei Prozent der Unternehmen von einer abnehmenden Relevanz ausgehen,
  • während der Anteil bei den Industrieunternehmen immerhin knapp acht Prozent ausmacht.

Weiterhin zeigt sich, dass größere Unternehmen stärker als kleinere davon ausgehen, dass die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer für sie wichtiger wird. Größere Unternehmen befassen sich demnach nicht nur momentan stärker mit dem Thema (siehe oben, Tabelle 1), sondern sie werden ihre Anstrengungen in dieser Hinsicht voraussichtlich auch stärker ausbauen.


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Die steigende Bedeutung geht mit der Notwendigkeit einher, bereits frühzeitig Anpassungen vorzunehmen. Ein Kommentar eines Teilnehmers hierzu: „Ich denke, das Thema der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer wird in Zukunft deutlich zunehmen. Hier sollten unbedingt die Weiterbildungsangebote für ältere Arbeitnehmer deutlich erhöht werden, oder sogar besonders auf ältere Arbeitnehmer zugeschnitten werden.“

Alter bringt nur selten Defizite bei der Leistungsfähigkeit mit sich

Zuweilen wird vermutet, dass ältere Beschäftigte jüngeren gegenüber im Nachteil sind – der Vorstellung eines „Defizitmodells“ entsprechend, nach dem die Leistungsfähigkeit im Alter nachlässt. Den Unternehmen zufolge ist diese Vorstellung nicht zutreffend (Tabelle 3):

  • Nur für zwei Prozent sind jüngere Arbeitnehmer leistungsfähiger als ältere,
  • während immerhin fünf Prozent ältere Arbeitnehmer als leistungsfähiger einstufen.

Zehn Prozent der Unternehmen halten ältere und jüngere Beschäftigte für ungefähr gleich leistungsfähig. Den mit Abstand meisten Unternehmen – über 83 Prozent – zufolge weisen ältere und jüngere Beschäftigte unterschiedliche Stärken auf, sodass ihre Leistungsfähigkeit nur eingeschränkt verglichen werden kann. Insbesondere in großen Unternehmen, d. h. solchen mit wenigstens 50 Millionen Euro Umsatz, wird diese Sichtweise vertreten (88 Prozent).


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Diese Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit altersgemischter Belegschaften und Teams, in denen die verschiedenen Stärken der Arbeitnehmer einander ergänzen können. Ein Kommentar eines Teilnehmers hierzu: „Wir beschäftigen ältere Mitarbeiter nicht in allen Bereichen. Mal sind ältere, lebenserfahrenere Mitarbeiter gut – mal jüngere, technikaffine Menschen gefragt. Die Mischung bekommt dem Unternehmen sehr gut.“

Nahezu jedes vierte Unternehmen stellt verstärkt ältere Arbeitnehmer ein

Die große und zunehmende Bedeutung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer wird einerseits dadurch unterstrichen, dass 24 Prozent der Unternehmen im Lauf der vergangenen zwölf Monate mehr ältere Arbeitnehmer eingestellt haben als zuvor (Tabelle 4). Andererseits haben 75 Prozent der Unternehmen ihr Einstellungsverhalten in dieser Hinsicht nicht geändert.


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In einigen Unternehmen wird die Zurückhaltung bei der verstärkten Einstellung älterer Arbeitnehmer auf deren ohnehin bereits hohen Anteil an der Belegschaft zurückzuführen sein. Dies verdeutlicht die Anmerkung eines Befragten: „Wir haben aufgrund des demografischen Wandels viele ältere Arbeitnehmer, daher ist es zwingend, unsere Belegschaft zu verjüngen und entsprechende Kompetenzen bei jüngeren Mitarbeitern zu gestalten.“

Hemmnisse der Beschäftigung 50 plus

Weitere Gründe, die Unternehmen davon abhalten, ihre Beschäftigung älterer Arbeitnehmer auszubauen, sind vielfältig (Abbildung 1 und zu Details Tabelle 5). Für jeweils mehr als ein Drittel der Unternehmen sind die folgenden Hemmnisse von Bedeutung:

  • Ein wesentlicher Grund ist das Angebot an Arbeitskräften. Knapp 52 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie nur wenige Bewerbungen von älteren Arbeitsuchenden erhalten. Dies dürfte nicht zuletzt auf eine abnehmende berufliche Mobilität im Alter zurückzuführen sein. Insbesondere für Industrieunternehmen ist die geringe Anzahl von Bewerbungen ein Hemmnis, während es bei industrienahen Dienstleistern etwas schwächer ausgeprägt ist (59 Prozent vs. knapp 50 Prozent; Tabelle 5).
  • Nur wenig unbedeutender ist der Grund, dass die Lohnvorstellungen älterer Arbeitnehmer für die ausgeschriebenen Positionen zu hoch sind. Jedes zweite Unternehmen gibt dies als Schwierigkeit an.
  • Auch die Schwierigkeit, dass Flexibilität bei der Verkleinerung der Belegschaftsgröße verloren gehen kann, hält mehr als jedes dritte Unternehmen davon ab, (mehr) ältere Arbeitnehmer einzustellen. Wenn diese Flexibilität größer wäre, „könnte man auch für kurzfristige Projekte ältere Arbeitnehmer mit Erfahrung einstellen“, wie ein Teilnehmer angemerkt hat. Insbesondere in größeren Unternehmen wird die geringere Flexibilität bei der Anpassung der Belegschaftsgröße als Hemmnis der Einstellung älterer Beschäftigter angesehen (46 Prozent; Tabelle 5).

Nur wenige Unternehmen führen mangelndes Fachwissen als Hemmnis an: Nur für zehn Prozent ist dies ein Grund, der sie von der Rekrutierung älterer Arbeitnehmer abhält.


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INSM-WiWo-Deutschland-Check November 2011

INSM-WiWo-Deutschland-Check - das Unternehmervotum

Im Auftrag von INSM und WiWo befragen Wissenschaftler der IW Consult vier Mal im Jahr Entscheider der deutschen Wirtschaft zu aktuellen wirtschaftlichen und politischen Vorgängen. Die IW Consult ist eine Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Befragung wird über das Internet durchgeführt.

Die Befragung für das vorliegende Votum fand vom 14. bis zum 31. Oktober 2011 statt. Insgesamt haben sich 755 Unternehmen beteiligt. Angeschrieben wurden hierfür Unternehmen aus der Industrie sowie den industrienahen Dienstleistungen (Großhandel, Verkehr, Nachrichten, unternehmensnahe Dienstleistungen). Die Angaben wurden anhand der Anzahl der Unternehmen im Unternehmensregister für Deutschland hochgerechnet.